Einmal Las Vegas und zurück

Mittlerweile ist es auch schon wieder 2 Wochen her, dass ich mich auf der Nordamerikanischen Meisterschaft (NACC) versucht hatte. Heute möchte ich euch einen kleinen Einblick in den Trip geben; möglicherweise fragt sich ja der ein oder andere europäische / deutsche Spieler, wie es denn wäre, den Sprung über den großen Teich zu wagen, um dort mitzuspielen.

Kurz zum Hintergrund, für die, die meine Facebook-Status-Updates seltener stalken: Der Grund meiner Reise war hauptsächlich, dass unser Freund Jack auf der Europameisterschaft selbst mitspielen möchte. Sein Ausfall bedingt eine Lücke im Coverage-Team, die ich schließen wollte. Einerseits, da ich nach wie vor gerne Coverage mache und andererseits, weil ich Cryptozoic hier schon ein paar Mal gut zur Hand gegangen bin und selbst bei den Events, bei denen ich nicht selbst aktiv spiele, das Coverage-Team unterstütze, indem ich mich um ihre Anreise zum Event kümmere, etc.

Da man darüber hinaus auch nur auf einer Continental Championship mitspielen kann und ich bereits letztes Jahr in Vegas eine super Zeit hatte, kam mehr oder weniger alles zusammen und resultierte in diesem etwas abgefahrenen Plan.

Reiseplanungen & Anreise

Ebenfalls nicht vergessen möchte ich Hans’ motivierende Worte erwähnen. Der hatte mich ordentlich bearbeitet, da ein Trip nach Amerika immer mehr Spaß verspricht, wenn mehr Leute dabei sind. Außerdem musste er auf diese Weise nicht 24/7 Englisch sprechen, was man auch erst zu schätzen weiß, wenn man mehrfach allein in den USA unterwegs war.

Gerade mal 1 Woche vor dem beabsichtigen Termin für den Abflug habe ich dann bei Air Berlin zugeschlagen und alles in trockene Tücher gepackt. Ich hatte bisher selten so kurzfristig gebucht, war aber recht positiv überrascht, dass es nahezu keinen Preisunterschied (verglichen mit meinem Flug im vergangenen Jahr, den ich viele Wochen zuvor gebucht hatte) gab. Zukünftig werde ich wohl meine Reisen in die USA nur noch last minute planen.

Solltet ihr bisher noch nicht das Vergnügen eines Interkontinentalflugs gemacht haben, so macht euch auf etwas gefasst. Bei einem Flug nach Vegas ist man insgesamt recht locker 16 Stunden unterwegs; abhängig von der Anzahl der Umstiege und der Aufenthaltszeit in den Umstiegsflughäfen werden das dann auch recht schnell 18 bis sogar 20 Stunden! Wenn ihr dann ankommt, steht ihr auch nicht zwangsweise fest auf den Beinen. Die Effekte der Zeitumstellung stecken mir meistens gut einen vollen Tag in den Knochen – bei Flügen „mit der Uhr“, also von West nach Ost, sieht es sogar noch schlimmer aus.

In meinem Fall ging es gegen 8 Uhr morgens los, ich war laut Reiseplan 16 Stunden unterwegs, ich habe im Flugzeug viel geschlafen und am Ende kam ich um 19 Uhr an. Klingt extrem verwirrend, aber das ist noch gar kein Vergleich zum Gefühl, das man verspürt, wenn man dann erstmal eine Weile dort ist. Es fühlt sich ein wenig so an als würde sich der ganze Körper gegen die geänderte Zeitzone streuben.

Tag 1

Ich hatte mir ein Deck von Hans entwickeln lassen – eine willkommene Abwechslung, da meine eigenen Decks selten unendlich ausgereift sind. Ich punkte eigentlich fast immer nur mit dem Überraschungseffekt. Es wurde am Ende ein Harmonize-Deck, das einerseits über die „Combo“ mit ein paar Harmonize-Verbündeten und Muln gewinnen kann, andererseits aber auch – und das ist die Hans-Innovation – Spiele „ausgrinden“ kann, also den Gegner langsam aber sicher in die Knie zwingen kann. Das funktioniert üblicherweise mit einem Turn 3 Edwin VanCleef, der dem Gegner erstmal etwas zu tun gibt. Folgt dann ein Turn 4 Doom Commander, kann man mit Edwin tauschen gehen, man erhält eine Token-Kopie von Edwin (also auch 2 weitere Thugs) und man kann noch Vanessa VanCleef von der Hand droppen. Damit legt man so viel Druck auf das Spielfeld, dass der Gegner wirklich alle Hände voll zu tun hat.

Selbst wenn er das Feld handelt, ist nun immerhin der eigene Held geflippt und man kann immer noch im Folgenden in die Combo gehen und das Spiel auf diese Weise für sich entscheiden. Ein echt cooles Deck, das auch „nur“ aus 15 Karten (mit logischerweise je 4 Kopien) bestand.

Mein Tag startete mit 3 Wins, so dass ich direkt auf einem guten Kurs war. Es folgte ein Match gegen David Bodimer, in dem ich den Fehler machte, einen Keeper Sharus relativ random in Turn 2 aufs Feld zu werfen. Er hat ihn dann wie erwartet vom Feld genommen, ich hatte nichts gewonnen und als ich viele, viele, viele Züge später doch noch in die Harmonize-Combo ging, fehlte mir dieser eine wichtige Harmonize-Verbündete, um eine Karte mehr aufzudecken, um mehr Leute von der Hand spielen zu können, und so weiter. Dabei hatte mir Hans das eigentlich als einen der wichtigsten Punkte mitgeteilt…

Anschließend verlor ich auch gegen Ben Isgur in einem extrem knappen Spiel, in dem ich tödlichen Schaden auf dem Feld hatte, aber mich ein Magma Spike gemeinsam mit dem Flip für 8 Schaden töteten. Er war auch schon recht nervös, aber so hatte es noch knapp für ihn gereicht.

2 „Freilose“ (1 Gegner präsentierte ein 59 Karten Deck, der nächste wusste nicht, wie mein Deck funktioniert und erlaubte mir, Turn 4 in die Combo zu gehen) später war ich zwar wieder auf Kurs, es folgten dann aber noch weitere – teilweise auch sehr unglückliche – Losses, so dass es am Ende nur für ein 6 – 4 reichte. Das bedeutete den 80ten Platz, so dass ich immerhin noch am zweiten Tag mitdraften konnte.

Tag 2 – Draft 1

Im ersten Draft entschied ich mich recht schnell für die Allianz, was auch aufgrund der Zeichen am Tisch wie die richtige Entscheidung erschien. Im zweiten Pack kamen dann zwar schon weniger blaue Leute, da ich aber im ersten Booster von rechts ganz viel blau bekommen hatte, sah ich darin kein riesiges Problem – immerhin konnte man ja den durchaus berechtigten Rückschluss ziehen, dass man im dritten Pack wieder richtig „gefüttert“ werden würde.
Tja, falsch gedacht, denn mein rechter Nebenmann dachte sich im ersten Pack „ich bleibe erstmal offen“, nur um dann im zweiten Booster, in dem ich eigentlich vor ihm saß und blau größtenteils weg nahm, zu der grandiosen Fehlentscheidung zu kommen, ebenfalls in die Allianz zu müssen. Ich weiß nicht, wie sowas passiert, da ich eigentlich keine gemischten Signale gesendet hatte, aber durch das konsequente Ignorieren hatten am Ende weder er noch ich ein wirklich gutes Deck.

Zwar gewann ich die erste Runde dank eines gewonnenen Würfelwurfs recht schnell, doch im zweiten Match machten mir die vielen Tauren meines Gegenübers einen Strich durch die Rechnung, sich doch noch weiter nach vorne zu spielen. Logischerweise werde ich in Runde 3 gegen meinen rechten Nebenmann gepaart und selbstverständlich verliere ich hier ebenfalls, so dass ich eigentlich nicht mal ein wirklich schlagendes Argument habe, wenn ich ihm erkläre, dass er den Draft verhunzt hat…

Tag 2 – Draft 2

Im zweiten Draft öffne ich einen Booster mit nur einem (schlechten) Allianz-Verbündeten. Ich muss quasi einen Hordler nehmen. Im zweiten Pack ist kein Allianzler. Im dritten Pack sind nur 2 wenig spielbare Allianzler. Ich weiß an dieser Stelle, dass der Draft mit großer Wahrscheinlichkeit schon vorüber ist und ich am Ende kein grandioses Deck haben werde.
Zur Erläuterung: Drei meiner 4 linken Nebenmänner werden voraussichtlich in Horde oder Monster gehen. Egal für was sie sich letzten Endes entscheiden, sie werden mich im zweiten Booster mit genau nichts füttern. Mit einem kompletten Booster ohne spielbare Karten wird man am Ende kaum noch auf ein 3:0 Deck kommen.

Ab Pick 8 sind die Booster „trocken“ – es gibt fast nur noch Klassenkarten, von denen auch nur wenige gut sind und genauso unspielbare Quests… ich fange während des Drafts an, eine kleine Abhandlung über die Unbrauchbarkeit von Betrayal of the Guardian als 1. Set, mit dem man Booster Draft spielt, aufzusetzen. Der Text war im Kopf bereits fertig und konnte auch im direkten Anschluss an den Draft auf Facebook gespammt werden. Trauriger Verdienst…

Am Ende reicht es für ein weiteres 1:2 im Draft, das auch ein 2:1 hätte werden können, wenn ich gegen Ben, der Humans spielte, 1 meiner 2 Board Wipes (Holy Ground und den 5 Drop, der 1 Schaden auf das Feld macht) gezogen hätte. Auf der anderen Seite konnte ich mich so immerhin für Ben freuen, der noch die Top 64 erreicht haben sollte.

Unter dem Strich wieder kein grandioses Abschneiden, wobei ich immerhin meine noch schlechtere Performance aus dem Vorjahr überbieten konnte.

Die folgenden Tage in Vegas wurde ein wenig gezockt, am Pool gelegen, was dank einer 20,- $ teuren Sonnenmilch nicht mal in Sonnenbrand resultierte (über deren Preis ich mich nur vor dem ersten Besuch am Pool beschwerte; anschließend fand ich ihn äußerst gerechtfertigt!), eingekauft, heftigst Party gemacht und auf andere Weisen Spaß gehabt.

Solltet ihr bisher noch nicht näher mit den amerikanischen WoW TCG Spielern zu tun gehabt haben, so lasst euch gesagt sein, dass es dort jede Menge wirklich coole Typen gibt. Da ich mittlerweile schon so einige Freundschaften geschlossen habe, war es für mich besonders cool, viele der Leute wiederzusehen und darüber hinaus noch ein paar neue Leute kennenzulernen. Ich freue mich schon jetzt darauf, in Los Angeles von den Leuten zu hören, wie sie die Zeit zwischen Vegas und der Worlds rum gebracht haben.

Heißt: Selbst, wenn ihr am Turnier selbst weniger erfolgreich als beabsichtigt abschneidet, könnt ihr bei einem Amerika-Besuch jede Menge Spaß haben. Das Land ist wirklich riesig und damit meine ich nicht nur ausschließlich die Größe des nordamerikanischen Kontinents!

Ich hoffe, dieser Einblick motiviert auch mal andere deutsche Spieler dazu, einen Trip nach Amerika zu wagen. Klar, es kommen ein paar Ausgaben auf euch zu, meiner Ansicht nach handelt es sich aber um eine extrem lohenswerte Erfahrung, die man nach Möglichkeit mal mitgenommen haben sollte!

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